Die pathische Projektion der pathischen Projektion


  1. „Den Massakern an Juden ging stets eine Hetzkampagne [!] voraus, in der die Juden eben jener Verbrechen bezichtigt [!] wurden, die der Antisemit zu begehen [!] im Begriffe stand. Bevor der Massenmensch die Juden ausraubt [!], ihre religiösen Symbole zerstört, ihre Körper verstümmelt [!] und ihre Frauen vergewaltigt, beschuldigt er die Juden eben dieser Grausamkeiten[!].“ (Simmel)
  2. Unzählige Frauen haben mit ihrem Handeln andere Menschen den Verfolgungsmaßnahmen des NS ausgeliefert, oft führte die Denunziation zum Tod der/des Denunzierten. Robert Gellately weist nach, dass die Erfolge der Staatspolizei – wenn es um das Aufdecken des Unterlaufens judenfeindlicher Maßnahmen ging – zu 70 % auf der Anzeigebereitschaft der Bevölkerung basierten und nicht, wie lange angenommen, der Eigeninitiative der Gestapo zuzurechnen sind. Verschiedene Studien belegen, dass der Anteil der Frauen bei Denunziationen bis zu dreißig Prozent ausmachte.“ (Ljiljana Radonić, Die friedfertige Antisemitin)
  3. „der raffende, schmarotzende Jude ist an der eigenen Ohnmacht schuld.“
    ↓↓↓ (Ljiljana Radonić, Die friedfertige Antisemitin)↓↓↓
  4. „Eine große, blonde SS-Frau stand immer in ihren Reithosen da, die Hände in die Hüften gestemmt, mit einer Peitsche, und lachte, wenn die Leute ins Gas gingen. Sie sah durch ein spezielles Fenster zu. So etwas von Sadismus, das kann doch kein Mensch erklären.“ (ebenda)
  5. „Die Heil- und Pflegeanstalt Meseritz-Obrawalde beispielsweise wurde 1942 zu einer regelrechten Tötungsanstalt. Die dort beschäftigten Pflegerinnen ’sind den Schritt zur Tötung ohne nennenswerten Widerstand gegangen, diese Pflegerinnen waren weder besonders grausam noch sadistisch. (…) Während der Ermittlungen wurden die Krankenpflegerinnen immer wieder gefragt, warum sie getötet hätten. Ihre Standardantwort: Ich habe es getan, weil es mir befohlen wurde und ich gar nicht auf die Idee gekommen wäre, meinen Vorgesetzten nicht zu gehorchen. Diese Antwort ist aus anderen NS-Prozessen bekannt. (…) Die angeschuldigten Frauen rekurrierten auf Klischees weiblichen Verhaltens, so als ob sie ihre Taten damit entlasten könnten, weil Frauen ja zu besonderer Grausamkeit gar nicht fähig seien. (…) Die in diesem Schwesterprozeß angeklagten Frauen schienen gar nicht in der Lage, Verantwortung für das zu übernehmen, was sie getan hatten. Sie bedauerten immer nur. Sie verharrten in der Rolle von Opfern, obwohl sie die Täterinnen waren‘.“ (420) (ebenda)

6.


2 Kommentare zu “Die pathische Projektion der pathischen Projektion”

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